Das wollen, was man nicht haben kann

Manchmal frage ich mich, ob es nur mir so geht, oder ob es ein allgemeines Problem der Menschheit ist, dass man immer gerade das haben will, was man nicht hat. Wahrscheinlich geht es eben nicht nur mir so, das Gras auf der anderen Seite des Zaunes ist ja immer grüner. Vielleicht muss das auch so sein, sonst würden wir ja aufhören, nach etwas Besseren zu streben, wenn wir immer völlig zufrieden wären mit dem, was wir haben.
Nichtsdestotrotz macht es mich wahnsinnig, es ist eine Eigenschaft an mir, die ich selbst einfach nur fürchterlich finde. Immer wollte ich woanders sein, als ich es gerade bin, auch wenn ich kurz zuvor noch eben genau dahin wollte. Monatelang freue ich mich auf ein Konzert, und bin ich dann dort, warte ich drauf, dass ich wieder nach Hause kann. Ich wollte unbedingt nach Dresden ziehen, jetzt will ich nach Berlin – und wenn ich dort jemals wohnen sollte, wird es wahrscheinlich genauso und ich will woanders hin. Bin ich Single, wünsche ich mir eine Beziehung, habe ich dann eine, wünsche ich mir die Freiheit des Single-Lebens zurück.
Aber am schlimmsten ist es immer mit den Sachen, die ich schlichtweg nicht haben kann, die will ich natürlich ganz besonders dringend haben. Am meisten verliebe ich mich immer in die Menschen, mit denen ich nie im Leben eine Beziehung haben werde, das ist ein Muster, das sich durch die letzten Jahre meines Lebens zieht und mich verzweifeln lässt. Nehmen wir letztes Jahr, nennen wir ihn J. Monatelang fand ich ihn ziemlich niedlich und mochte ihn sehr, aber das war alles nichts ernstes. Dann erfahre ich, dass er verheiratet ist, sehe ihn nie wieder, und plötzlich denk ich nur noch an ihn. Ein verdammtes halbes Jahr lang, als gäbe es sonst keinen Menschen auf der Welt. Same with Sylvie. Ich weiß, dass da nie irgendetwas laufen wird, wahrscheinlich sehe ich sie auch nie wieder, aber seit Monaten ist sie immer mal wieder in meinen Gedanken und geht da nicht dauerhaft raus. Wieso denke ich immer noch an sie, was soll das denn? Wo ist der Sinn? Masochismus? Wahrscheinlich. Vielleicht ist es eben so wunderbar einfach, sich im Selbstmitleid und Pseudo-Liebeskummer zu suhlen, als sich ernsthaft Gedanken darüber zu machen, was es für greifbare Möglichkeiten in Sachen Beziehung gibt. Vielleicht hält mich das davon ab, wirklich die Augen aufzumachen, wen es um mich herum gibt. Vielleicht will ich das so – schließlich sage ich doch immer, ich wäre nicht beziehungsfähig. Macht das mein Leben nun einfach oder schwieriger? Wer weiß das schon, auf jeden Fall sorgt es dafür, dass ich mich kaum auf Menschen einlasse – die, die mich wollen, sind schließlich nicht interessant, ich will doch die, die ich nicht haben kann…

Vielleicht schenken wir alle unser ganzes Herz kritiklos gerade denen, die am wenigsten an uns denken.
T. H. White

~ von bloodyswimmingpool - 8. Dezember 2009.

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