Die Arroganz der Studierten

Eins vorneweg – ich habe weder etwas gegen Studenten noch gegen Studierte, das Ganze hier wird nur eine nette kleine Anekdote aus meinem Arbeitsalltag. Wer studiert, schön und gut, soll er machen, find ich gut – ich wollte es nicht, habe es nicht und werde es auch in absehbarer Zeit nicht tun. Das heißt aber nicht, dass ich dümmer bin als ein Studierter im Allgemeinen, dumme Menschen gibt es überall. Soviel zum Vorwort. Nun zur konkreten Situation.

Es trug sich zu vor einigen Tagen, da kam es zu einem kleinen Streitgespräch mit einer Kollegin, ihres Zeichens Ärztin. Die gute Frau fiel schon öfters durch ihre Ansichten auf, dass die Ärzte bei uns ganz oben in der Hackordnung stehen und das Fußvolk aka Schwestern und Dok-Assistenten wie ich deutlich weiter unten. Schließlich wäre unser Bildungsstand auch niedriger. Madame ist sich auch zu fein, mal etwas zu kopieren oder in eine Akte einzuheften, schließlich wird ihre Arbeitszeit mehr bezahlt und die sollte sie zum Wohle der Firma ja besser nutzen, also darf das Fußvolk so etwas übernehmen.

Diesmal kam sie mit einem Zettelchen an, das sie gern gescannt hätte – das funktioniert bei uns wunderbar über den Kopierer, man muss nur wissen wie. Da Madame ja offenbar auch nach dem Motto „einmal schön dumm gestellt, viel Arbeit gespart“ lebt, weiß sie natürlich nicht, wie das geht, und will mir das in die Hand drücken. Daraus entstand dann in etwa folgender Dialog…

Ich: Das ist ganz einfach, ich zeig Ihnen das gleich mal, und dann können Sie es beim nächsten Mal selber machen.
Fr. Doktor: Sie können mir das gerne zeigen, aber Sie machen das mal bitte trotzdem für mich.
Ich: Na aber wenn Sie dann wissen, wie es geht, brauch ichs doch nicht nicht mehr machen.
Fr. Doktor: Es ist aber Ihre Aufgabe als Studienassistent, uns Ärzten solche Arbeiten abzunehmen.
Ich: Ich bin aber nicht Ihr persönlicher Kopierassistent.
Fr. Doktor: Naja, aber ich kann dafür andere Aufgaben machen, die Sie nicht können, ich hab ja studiert.
Ich: Ich bin aber trotzdem nicht Ihr Pampel.
Fr. Doktor: Naja, wenn Ihnen Ihre Arbeit hier nicht gefällt, hätten Sie eben auch Medizin studieren müssen.

So ging das noch ein bisschen hin und her und ich kochte… Diese Frau macht mich wahnsinnig, das Schlimme an der ganzen Sache ist allerdings, dass die immer totaaaal nett bleibt und freundlich-dümmlich vor sich hinlächelt und man sich mit der nicht mal ordentlich anschreien kann… Nun ja, wie auch immer, auf jeden Fall freue ich mich auf den Moment, wenn sie mal wieder zu mir angedabbelt kommt und irgendein Problemchen mit ihrem PC hat aka „ahhhhh Frau S., meine Maus geht nicht“, und ich ihr dann ganz unschuldig mitteilen kann, dass ich ihr da überhaupt nicht helfen kann, da ich ja schließlich nicht studiert habe…

Jedenfalls ist diese Geschichte kein Einzelfall, weder bei mir auf Arbeit, noch sonstwo. Es gibt einige meiner alten Mitschüler, die blicken mich heute noch mitleidig an, weil ich nicht studiert habe, sondern lieber nach der 10. Klasse vom Gymnasium runtergegangen bin, um eine Ausbildung zu machen, was ich bis heute nicht bereut habe. Ich bin mit 20 bei meinen Eltern ausgezogen, in eine eigene Wohnung, und kann seitdem tun und lassen, was ich will. Einige meiner alten Mitschüler lassen sich jetzt noch von Mutti durchfüttern und planen, die nächsten 5 Jahre weiterzustudieren, weil ihnen nichts Besseres einfällt. Und dann werde ICH bemitleidet, weil ich was Niederes wäre? Muss ich die erst alle dran erinnern, dass ich in unserer Klasse damals die Zweitbeste war und alle immer zu mir anlatscht kamen, wenn sie in einigen Fächern keinen Plan hatten? Das nervt mich einfach. Ich bin nicht dümmer/schlechter/ungebildeter, nur weil ich nicht studiert habe – sicher ist mein medizinisches Wissen nicht so groß wie das der lieben Frau Doktor, dafür mach ich aber ihre statistischen Auswertungen, von denen sie keinen Plan hat und style ihre Präsentationen und Kongress-Poster, weil sie davon keinen Plan. Und ich hab weder Statistik noch Design studiert. Bei dieser Arroganz könnt ich kotzen.

~ von bloodyswimmingpool - 27. November 2009.

Eine Antwort to “Die Arroganz der Studierten”

  1. Sowas ist wirklich zum Kotzen – ich plane zwar zu studieren, vermutlich Literatur, aber deswegen bin ich doch nichts Besseres, als die Buchhändlerin, die „nur“ eine Ausbildung gemacht hat, selbst wenn ich mich entscheide, eines Tages auch in dieser Buchhandlung zu arbeiten. (Obwohl ich lieber Journalistin werden würde, aber wenn man große Träume hat, sollte man sich auch immer eine ‚kleine‘ Alternative vor Augen halten, falls mal alles schief geht.) Kopieren können alle. Kaffee kochen ebenso. Wir sind alles nur Menschen, die atmen und essen müssen, um zu überleben. Hackordnung gehören wirklich abgeschafft. So viel von mir. Und danke für’s Verlinken in der Blogroll, ich werde deinen Blog bei Gelegenheit auch verlinken. ;)

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